Mord am Leuchtturm by Klaus-Peter Wolf

Mord am Leuchtturm by Klaus-Peter Wolf

Autor:Klaus-Peter Wolf
Die sprache: deu
Format: azw3, epub, mobi
Tags: Mystery & Detective
ISBN: 9783104027869
Herausgeber: S. Fischer Verlag
veröffentlicht: 2014-07-03T22:00:00+00:00


7.

Es sind nur Imitate. Sie wurden ausgetauscht. Mein richtiger Vater, der Strafverteidiger, der Gerechtigkeitsfan, würde sich doch niemals brüsten, reiche Verbrecher zu beschützen und solche Klienten zu haben.

Meine Mutter war doch nie so eine hohle, blöde Ziege.

Wieso trägt sie kürzere Röcke als meine Schwester?

Wieso malt sie sich so an?

Wieso lacht sie so schrill?

Die Erklärung von meinem Vater, sie sei wohl etwas spät in die Pubertät gekommen, klingt zwar witzig, ist aber nur ein Versuch der Aliens zu erklären, warum ihre Kopien nicht wirklich geglückt sind.

Sie versuchen, mich auch zu einem der Ihren zu machen. Der Psychologe, zu dem sie mich schicken wollen, ist ihr Umprogrammierer.

Aber da haben sie sich geschnitten! Nicht mit mir! Ich will meine richtigen Eltern zurückhaben! Vermutlich haben sie meine Schwester auch schon umgedreht. Vielleicht sind sie in ihren Körper gekrochen und haben sich seiner bemächtigt.

Ich habe so was mal auf RTL gesehen.

Jetzt verstehe ich. Das war nicht nur ein schrecklicher Horrorfilm, das war eine Warnung an die Menschen. Die Filmemacher haben uns die Wahrheit erzählt! Meine Eltern sind Mutanten.

Ich schreie ihn an: »Du bist nicht mein Vater!«, und ich hole das große Fleischmesser aus dem Messerblock, den er Mama zu Weihnachten geschenkt hat und der kaum genutzt wird.

Jetzt zeigt mein angeblicher Vater sein wahres Gesicht. Er springt auf, reißt den Stuhl hoch und hält ihn drohend wie eine Waffe zwischen uns beide.

»Leg das Messer weg! Leg das Messer weg, Lukas!«

Meine Mutter schreit in Tönen, wie ich sie noch nie gehört habe. Es tut weh in den Ohren, es dringt hinein bis in meine Knochen. Sie soll aufhören. Aufhören!

Bevor sie jetzt beide auf mich losgehen, lasse ich das Messer fallen und entschuldige mich bei ihnen. Ich fange sogar an zu heulen. Ich spüre, wie die Tränen über mein Gesicht laufen.

Ich will wieder ein guter Sohn sein! Ich will aufhören mit all dem Mist! Ich werde in einen Sportverein gehen.

Ich werde Tischtennis spielen wie meine Klassenkameraden.

Ja, ich will mich für Sport interessieren, für Fußball, und natürlich werde ich mit meinem Vater das Golfspielen erlernen.

Meine Eltern sitzen jetzt wieder friedlich bei mir und hören mir zu. Meine Mutter kocht einen Baldrian-Melisse-Tee für mich. Ich kann das Zeug nicht runterwürgen. Ich tue so, als ob ich wieder ihr lieber Junge werden würde. Dumm und angepasst. Einer, der von nichts etwas mitkriegt und keine Vorahnungen hat.

Aber ich beschließe, heute Nacht aufzustehen und ihnen die Hälse durchzuschneiden.

Ich muss es tun. Die Welt steht am Rande eines Abgrunds …



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